15. Dezember 2010

Informationsportal Klimawandel

Im Klimazwiebel-Blog wurde letztens darauf hingewiesen, dass die ZAMG nun, wie schon von Dr. Böhm in meinem Interview für den Herbst angekündigt (Siehe: Menschen im Gespräch: Teil II), ein Informationsportal Klimawandel online gestellt hat.

Werfen wir einen Blick auf die Aussagen zur MWP.
Unter der Rubrik Paläoklima: 2000 Jahre wird auf das Klima der letzten zwei Millennia eingegangen. 

Wir lesen Folgendes:
Innerhalb des deutlich geringen Schwankungsbereichs des Holozäns lösten in der nachchristlichen Zeit kühlere und mildere Abschnitte einander ab: Mäßig kühlen Verhältnissen in der Völkerwanderungszeit folgte das mittelalterliche Klimaoptimum, die Kleine Eiszeit ging in den modernen Temperaturanstieg über.
Mit großer Wahrscheinlichkeit waren die Klimaschwankungen zumindest nordhemisphärisch. Eine aktuelle Multi-Proxy-Rekonstruktion schlägt für Spätantike und Frühmittelalter leicht unterkühlte Bedingungen im Vergleich zum 20. Jahrhundert vor, von einer Klimaverschlechterung als Mitauslöser der Völkerwanderung ist jedoch nichts zu bemerken (Abb. 1 oben). Das günstige Klima des Hochmittelalters ermöglichte nicht nur ausgedehnten Weinbau in Europa, auch Ausbildung der Staaten, Aufschwung der Städte und Bevölkerungswachstum fallen in diese Zeit.

Von einer MWP ist hier allerdings nicht die Rede. Dr. Böhm und Dr. Reitner sprechen hier von "Klimaschwankungen" und einem "mittelalterlichem Klimaoptimum" bzw. "günstigem Klima des Hochmittelalters".

In Hinblick auf die Zeitspanne von 2000 Jahren kann man m.E. nicht guten Gewissens von Klimaschwankungen, in Bezug auf die Mittelalterliche Warmperiode, die Kleine Eiszeit und die eintretende Erwärmungsphase mit Auslaufen der Kleinen Eiszeit, sprechen. Der Begriff der Schwankung mag neutral klingen, relativiert aber zugleich. "Schwanken" tut das Klima immer. Das ändert dennoch nichts daran, dass  innerhalb der letzten 2 Millennia klar quantifizierbare "Schwankungen" auftraten, die über die unterschiedlichen Temperaturniveaus einer Periodizität zugeführt werden können. Nur so werden in meinen Augen Vergleiche möglich.

Von einem mittelalterlichen Klimaoptimum zu sprechen ist in meinen Augen ebenfalls verfehlt. Ein Optimum insinuiert keine Erwärmungsphase, keine Phase von durchschnittlichen wärmeren Temperaturen, sondern in der Regel ein Wärmepeak; ein Überwinden des "Second Steps" hin zum Gipfel - um ein Bild zu gebrauchen -, nicht jedoch die durchschnittlich höheren Temperaturen in dieser Periode - höhere Berge im Himalaya.

Sogesehen hätten wir das neuzeitliche Optimum, zum jetzigen Zeitpunkt, bereits 1998 für viele Teile der Welt erreicht. Für Teile Skandinaviens bereits in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Es wäre auch interessant, wenn man darauf verweisen würde, dass für Teile Südamerikas das neuzeitliche Optimum dann ins 18 Jh fallen könnte.

Der Vorteil des Konzeptes einer Mittelalterlichen Warmperiode, meinetwegen, wo nötig auch spezifizierbar in eine Spät- oder Hochmittelalterliche Warmperiode, wurde von mir schon eingehend erörtert (http://mittelalterlichewarmperiode.blogspot.com/2010_10_01_archive.html).

Es läßt auch Vieles darauf schließen, dass der Gebrauch dieses Konstruktes in der Klimatologie immer noch weitverbreitet ist, wie u.a. die von mir angeführten 50 Studien für die Jahre 2009/10 (1 HJ), publiziert in angesehenen Journalen wie The HolocenePalaeogeography,Palaeoclimatology,PalaeoecologyQuaternary ResearchQuaternary International oder Quaternary Science Review, zeigen. 

Darüber hinaus scheint es Konsens zu sein, dass die durchschnittlichen Temperaturen während der Mittelalterlichen Warmperiode um Einiges höher waren, als "during the subsequent Little Ice Age", wie selbst die Kritiker der MWP, Bradley, Hughes und Diaz bemerkten - wenn auch nur für die Nördliche Hemisphäre zugestanden.

Ebenfalls verfehlt scheint mir nachstehende Aussage zu sein:

"Mit großer Wahrscheinlichkeit waren die Klimaschwankungen zumindest nordhemisphärisch."

Die "Klimaschwankung", für uns synonym genommen für die MWP, ist in meiner Definition nordhemisphärisch durch viele, südhemisphärisch durch einige Studien als gesichert anzusehen - wenn wir die Äquatorialzonen außen vor lassen. Somit müsste m.E. dieser Satz folgendermaßen lauten:

"Für die Nördliche Hemisphäre kann, durch zahlreiche Studien als gesichert, für die Südliche Hemisphäre durch einige Studien als wahrscheinlich, angenommen werden, dass es einen Zeitabschnitt im Mittelalter gab, der durchschnittlich wärmere Temperaturen aufwies als der nachfolgende Zeitabschnitt, bekannt unter dem Namen Kleine Eiszeit - freilich in Bezug auf die jeweils untersuchten Regionen. Um diesem Sachverhalt Rechnung zu tragen, spricht man in der Klimatologie von einer mittelalterlichen Warmperiode."