30. Dezember 2010

... und was ist mit Afrika du Spinner?

Nicht "Spinner" - "von Baskerville"! Sie müssen mich mit einem anderen, einem "Spinner" verwechseln. Der bin ich nicht, tut mir leid - oder auch nicht?!

Scherz beiseite. Kürzlich erreichte mich Post eines Lesers mit besagter Äußerung. Nach eingehender Lektüre komme ich nicht umher den Einwand dahingehend zu deuten, dass Herr M., nennen wir besagte Person unter Wahrung der Persönlichkeitsrechte einmal so, wohl der Überzeugung ist, dass ich erstens meine, die MWP wäre global gesehen ein Faktum, sakrosankt und deren Auftreten folglich auch für die Äquatorialregionen dieses Planeten durch zahlreiche Studien als gesichert anzusehen und zweitens dadurch die wohl seiner Meinung nach anderslautende Datenlage in Afrika (bewußt) ignoriere, ich Spinner - ähm, von Baskerville natürlich.

Wie ich schon mehrfach betont habe, bin ich nicht der Meinung, dass es "overwhelming" Evidenz für die Behauptung gibt, die MWP wäre ein globales "Ereignis" gewesen - 'overwhelming' für die NH: Ja!; für die SH: Nein, jedoch durch einige, gute Langzeitstudien als wahrscheinlich anzunehmen; für die Äquatorialregionen: Nein! - daher spreche ich von bi-hemisphärisch um einerseits dem Umstand Rechnung zu tragen, dass es sehr wohl gute Proxyrekonstruktionen für Regionen in der südlichen Hemisphäre gibt, in welchen eine wärmere MWP im Gegensatz zu einer kälteren Kleinen Eiszeit zu Tage treten und andererseites nicht müde werde, darauf zu verweisen, dass die Äquatorialregionen dieser Erde bis dato noch zu wenig erforscht sind, um klare Aussagen bezüglich der klimatischen Bedingungen in den letzten Millennia zu treffen.

Doch wie ist die Datenlage zu Afrika. Herr M. hat mir leider nicht mitgeteilt, woher er seine Informationen über Afrika denn bezieht, sein "und was ist" war wenig hilfreich - leider!

Nun gut, dann werde ich versuchen dem "und was ist" von Herrn M. ein, freilich begrenztes "so ist" von mir entgegenzusetzen. Für Genaueres, eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Thematik, verweise ich auf das PAGES-Projekt.

Einige Studien aus Südafrika sprechen für das Auftreten einer MWP. In der Studie Archaeological evidence for climatic change during the last 2000 years in southern Africa gelangt Huffman zur Einsicht, dass die MWP zwischen 900 und 1290 AD gelegen sein muss. Holmgren et al. finden laut Idso 2001 in einer Höhle in "Makapansgat Valley" Evidenz für eine MWP zwischen AD 800 und 1100. Im Jahre 2003 gelangen Holmgren et al. in einer Folgestudie (pdf-Format, ca. 360 KB) "Makapansgat Valley" zu nachstehender Erkenntnis:
Warmer periods occurred between 1 and 2 ka and were followed by a resumption of the declining trend. Evidence for medieval warming is present.
Holmgren et al., 2323


Im Jahre 2006 führen Holmgren und Öberg in ihrer Studie Climate Change in southern and eastern Africa during the past Millennium and it's implications for societal development, verschiedentlich Evidenz für eine wärmere MWP an. So schreiben sie bezüglich dem Süden Afrikas, mit Verweis auf Leslie and Maggs (2000) Folgendes:
The period from ca 850 to 1290 AD was a time of agricultural expansion in the Shashi-Limpopo region, according to archaeological and historical sources (Leslie and Maggs, 2000)[1]. Communities were expanded from the east (Zimbabwe) into the fringes of today's semi-arid Kalahari.
Holmgren und Öberg, 187.


In Hinblick auf Ostafrika führen sie eine Studie von Robertshaw und Taylor an,  die wohl indirekt darauf anspielt, dass es wahrscheinlicher ist, dass klimatisch günstigere Bedingungen mit einem Bevölkerungswachstum einhergehen, als es bei klimatisch ungünstigeren Bedingungen, wie Eiszeiten, wohl der Fall wäre.
Archaeological surveys show population expansion and establishment of centres in western Uganda at around 1000-1200 Ad (Robertshaw and Taylor, 2000)[2].
Holmgren und Öberg, 190


Für Ostafrika finden Tierney et al. in ihrer Arbeit Late-twentieth-century warming in Lake Tanganyika unprecedented since AD 500 (pdf-Format, ca. 3,85 MB) Evidenz für eine ausgedehnte Wärmeperiode  zwischen AD 1100 und 1400. Sie schreiben:
Lake Tanganyika then experienced a period of extended warmth between 1100 and 1400, followed by a return to cooler LSTs between 1400 and 1500 and more variable temperatures until 1900.
Tierney et al., 423


Aus einer Studie von Lamb et al. (2007), deren Daten aus Lake Hayq in Äthiopien stammen, können wir entnehmen:
Similar, but slightly moister climate than today, with high interdecaal variability, prevailed from AD 800 to AD 1200, equivalent to the European 'Medieval Warm Period'.
Lamb et al., Abstract


Für Äquatorial Ostafrika halten Verschuren et al. 2000 bezüglich Regen und Dürre fest:
Africa has alternated between contrasting climate conditions, with significantly rier climate than today during the 'Medieval Warm Period' (ca. AD 1000-1270) and a relatively wet climate during the 'Little Ice Age' (ca. AD 1270-1850) whicht was interrupted by three prolonged dry episodes.
Verschuren et al., Abstract


Für Westafrika, genauer Äquatorial Westafrika, kann ich auf die Studie Lowland rainforest response to hydrological changes during the last 1500 years in Gabon, Western Equatorial Africa von Ngomanda et al., aus dem Jahre 2007 verweisen. Sie schreiben:
The strong fluctuations of water balance at decadal scale during the 'Medieval Warm Period' (ca. 1100-800 cal yr BP) coincided with a noticeable increase in shade-intolerant taxa, indicating recurring rainforest canopy disturbance.
Ngomanda et al., Abstract


Des Weiteren, hier für NW Afrika, könnten wir auf das Interview mit Dr. Büntgen auf diesem Blog verweisen. In einer dort erwähnten Studie "Long-term drought severity variations in Morocco", wird Übereinstimmung mit europäischen Langzeit-Klimarekonstruktionen gefunden, was eine warme Periode im Mittelalter und eine kältere Klimaperiode in der "Kleinen Eiszeit" betrifft.

__________

[1] Leslie, M. and Maggs T. (ed): 2000, 'African Naissance: The Limpopo Valley 1000 years Ago', The South African Archaeological Society, Goddwin Series, 8.
[2] Robertshaw, P. and Taylor, D.: 2000, 'Climate change and the rise of political complexity om western Uganda', Journal of African History 41, 1-28.

29. Dezember 2010

So schließt sich der Kreis?!


Lamb (1965)
Mann et al. (1999)
Ljungqvist (2010)


... gehen Sie nicht über Los und ziehen Sie keine 4000 Euro ein Herr M.!

28. Dezember 2010

Guest Post auf Climate Science

Ich bin heute auf einen lesenswerten Gastbeitrag von Professor Syun-Ichi Akasofu auf Dr. Pielke Sr.'s blog, Climate Science, gestoßen. Er präsentiert einen Auszug seines Artikels The continuing recovery from the Little Ice Age (gesamter Artikel, pdf-Format, ca. 4,9 MB).

Professor Akasofu geht der Frage nach, ob wir uns immer noch in einer Phase befinden, in welcher sich das Klima von den Niedrigtemperaturen der Kleinen Eiszeit, messbar durch einen multi-centennialen, globalen Temperaturanstieg, weitestgehend unabhängig von menschlichen Einflüssen, konsolidiert oder nicht. AGWler würden dies verneinen, Klimarealisten wohl eher bejahen. 

Für mich von Interesse ist, dass Professor Akasofu in seiner Betrachtung des letzten Millenniums von einer MWP ausgeht, wenngleich er den Temperaturanstieg in Vergleich setzt zu den letzten 10.000 Jahren ("Both the Medieval Warm period and the LIA were relatively minor fluctuations during the last 10,000 years"). Aus seinem ausführlichen Artikel geht dann meines Erachtens klar hervor, dass er diese MWP wohl als globales Phänomen sieht. Doch lesen Sie auf Seite 1211 selber:
There is little doubt that the Earth experienced a relatively cool period after the Medieval Warm Period around the year 1000. In this section, we briefly review changes of temperature from about 1000 to the present before examining details of recovery from the LIA.

27. Dezember 2010

Pollendaten als "high frequency" Klimaindikatoren

In einer neuen Studie von Helama et al. Reconciling pollen-stratigraphical and tree-ring evidence for high- and low-frequency temperature variability in the past millennium (Abstract), kommen die Autoren zum einen zum Ergebnis, dass es - nicht ganz unerwartet - wohl in den "high-latitude Regionen" Europas eine MWP - Sie schreiben politisch korrekt MCA - gab. Zum anderen führen sie Evidenz dafür an, dass nicht nur Baumringdaten sondern auch Pollen-Proxydaten zur Feststellung von "high-frequency variations" in vergangenen Klimata herangezogen werden können.

Hier ein Teilauszug des Abstracts:
Climate change and variability assessments require an understanding of their long-term and period (low-frequency) and short-term and period (high-frequency) variations. Pollen data have conventionally been thought of as a proxy of low-frequency variation of past climates but of more limited applicability for studying high frequencies. Likewise, tree-rings are commonly supposed to reflect faithfully high-frequency variations, with additional uncertainties attributable to variations at lower frequencies. Here we challenge this view in the context of pollen and tree-ring based temperature reconstructions from high-latitude Europe. ...

23. Dezember 2010

Alaska und die MWP

In der letzten Ausgabe der Quaternary Science Reviews ist eine interessante Studie von Clegg et al., mit dem Titel Six millennia of summer temperature variation based on midge analysis of lake sediments from Alaska (pdf-Format, ca. 690 KB), erschienen. 

Die Autoren stellen einleitend fest:
We analyzed sediments of the past 6000 years from Moose Lake (61°22.45'N, 143°35.93'W, 437 m a.s.l.) in south-central Alaska for midge assemblages at decadal to centennial resolution. Here we report the results and use the assemblage data to derive mean July air temperature (TJuly) estimates using the transfer function of (Barley et al. 2006)[1]. The reliability of this approach at Moose Lake is evaluated by comapring midge-based TJuly estimates with weatherstation and treering-based temperature data from the same region (Davi et al., 2003)[2]. We then discuss temperature fluctuations at centennial and millenial timescales over the past six millennia and explore the factors causing these fluctuations.
Clegg et al., 3309.


Für uns von Interesse ist im Speziellen die Auswertung der gewonnenen Daten unter Punkt 4.3: "Temperature fluctuations over the past 2000 years: comparison with previous results". Wir lesen:
A number of recent paleoclimate studies in Alaska and elsewhere have focused on high-resolution reconstructions over the past two millennia (e.g. Hu et al., 2001; Loso et al., 2006; McKay et al., 2008)[3]. Comparisons of the TJuly record from Moose Lake with other Alaskan temperature records suggest that the regional coherency observed in instrumental temperature records (e.g. Wiles et al., 1998; Gedalof and Smith, 2001; Wilson et al., 2007)[4] extends broadly to at least 2000 cal BP. For example, climatic events such as the LIA and the Medieval Climate Anomaly (MCA; peak warmth around 1000 cal BP) occurred largely synchronously between our TJuly record from Moose Lake (Fig. 4C) and a Delta18O-based temperature record from Farewell Lake on the northwestern foothills of the Alaska Range (Hu et al., 2001; Fig. 4D).

Man kann also getrost behaupten, dass in vorliegender Studie Evidenz für die Existenz einer MWP gefunden wurde (ich betrachte nach wie vor die Bezeichnung Klimaanomalie in diesem Zusammenhang als irreführend; man möge sich Fig. 3 A, samt Beschreibung zu Gemüte führen; für mich ist hier ein deutlicher Temperaturanstieg von 600 A.D. mit einem Peak um 1200 A.D. ersichtlich).

Doch wie verhält es sich mit den anderen Studien; mit den Studien von Hu et al., 2001; Loso et al., 2006; McKay et al., 2008 und nicht erwähnten Arbeiten - verwendet von Ljungqvist, in seiner neuesten Studie - wie D'Arrigo et al. 2006 oder Loso 2009? 

Die älteste, erwähnte regionale Langzeitstudie für Alaska ist von Hu et al., erschienen unter dem Titel Pronounced climatic variations in Alaska during the last two millennia. Sie scheint, wie wir gleich im Zitat anführen werden, auch die erste hochwertige Langzeitstudie für Alaska zu sein, darum ist es zudem angebracht, hier zu beginnen.

Hu et al. gestalteten
multiproxy geochemical analyses of a sediment core from Farewell Lake (62° 33' N, 153° 38' W, 320 m altitude) in the northwestern foothills of the Alaska Range (Fig. 1A).
These analysis provide the first high-resolution (multidecadal) quantitative record of Alaskan climate variations that spans the last two millennia.
Hu et al., 10552.


Sie gelangten hierbei zu folgenden Resultaten:
The relatively warm climate A.D. 850-1200 at Farewell Lake corresponds to the Medieval Climatic Anomaly, a time of marked climatic departure over much of the planet (9,32)[5]. 
Our SWT reconstruction at Farewell lake indicates that although the 20th century, represented by the uppermost three samples, was among the warmest periods of the past two millennia, two earlier intervals may have been comparably warm (A.D. 0-300 and A.D. 850-1200). These data agree with tree-ring evidence from Fennoscandia, indicating that the recent warmth is not atypical of the past 1000 years (33, 34).[6]
[Von Interesse Fig. 3.; die durchschnittlich höheren Temperaturen im Mittelalter gegenüber der Kleinen Eiszeit sind meines Erachtens claire and distincte ablesbar, W.v.B.]
Hu et al. 10555.


Loso et al. finden in ihrer 2006, in Quaternary Research publizierten Arbeit A 1500-year record of temperature and glacial response inferred from varved Iceberg Lake, southcentral Alaska [pdf-Format, ca. 1 MB]) ebenfalls Evidenz für die Existenz einer MWP im Untersuchungsgebiet vor.

Sie führen folgendermaßen ein:
In this paper, we present a new 1500-yr-long varve record from iceberg lake, a proglacial lake in the heart of southern Alaska's icefileds.  ... Even taking into account the evidence for early onset o the Little Ice Age in southern Alaska around 1200 A.D. (Wiles et al., 2002)[7], this chronology clearly spans a complete warm-cold-warm cycle, including clear expressions of both the LIA and the MWP that preceded it.
Loso et al., 13.


Um letztlich konkludieren zu können:
Relative to the entire period of record, temperatures suggested by the chronology were lowest around 600 A.D., increased slowly and sporadically from then until reaching a relatively stable value in the Medieval Warm Period between A.D. 1000 and 1250, cooled again towards a sustained period of Little Ice Age cold between A.D. 1500 and 1850, and have increased dramatically since then.
Loso et al., 23.


Als nächste Arbeit wollen wir On the long-term context for late twentieth century warming (pdf-Format, 920 KB) von D'Arrigo et al., erschienen in Journal of Geophysical Research, anführen. D'Arrigo et al. "develop two new tree-ring-based reconstructions of NH temperatures that address several priorities recommended for the generation of such records" (2). Die in Alaska liegenden Proxydaten, welche weit genug zurückreichen, weisen eine MWP auf, klar ersichtlich in Table 1., an den Daten "Seward" und "Coastal Alaska", abzulesen in Figure 2. Generell in Bezug auf die NH konkludieren D'Arrigo et al. nachstehend:
We have presented STD and RCS NH temperature reconstructions for the past 1259 years. In so doing, we have addressed several recommended priorities [Esper et al., 2005b][8] for the development of large-scale reconstructions (see above). ... The NH RCS reconstruction displays pronounced variability, including significant "MWP" and "LIA" departures.
D'Arrigo et al, 11.


Auch die Studie von McKay et al., Biogenic silica concentration as a high-resolution, quantitative temperature proxy at Hallet Lake, south-central Alaska (pdf-Format, 1,35 MB), erschienen in Geophysical Research Letters, zeigt eine MWP an. Die Autoren schreiben:
BSi-inferred summer temperatures were warmer than the long-term (2ka) average (3.1 °C) from ca. 100 to ca. 500 AD, before decreasing rapidly to ca. 2°C by 600 AD (Figure 3). This cooling coincides with a period of glacial advance in the Chugach Range, and the Kenai and St. Elias Mountains [Wiles et al., 2008][9]. After ca. 600 AD, summer temperature gradually icreased from 2 to ca. 4°C by 1300 AD, and remained above the 2 ka average until ca. 1500 AD.
Mc Kay et al., 5


Die letzte Studie, Summer temperatures during the Medieval Warm Period and Little Ice Age inferred from varved proglacial lake sediments in southern Alaska, (pdf-Format, 620 KB) erschienen im Journal of  Paleolimnology, kann als "Update" zu seiner Studie von Loso aus dem Jahre 2006 gesehen werden und zeigt ebenfalls, klar ersichtlich, eine MWP in der Studiengegend an. Im Abstract fasst Loso zusammen:
A Medieval Warm Period is evident from 1000 to 1100 AD, but the temperature reconstruction suggest it was less warm then recent decades - an observation supported by independent geological evicence of recent glacier retreat that is unprecedented over the period of record.
Loso, 117.


In seiner Ausarbeitung der Temperaturrekonstruktion schreibt Lobo weiters:
Temperatures were generally higher than average from 950 to 1350 AD, and after a brief rise around 1850 AD reached their highest levels after 1950 AD.
Loso, 125.


Letztlich konkludiert Loso folgendermaßen:
Second, the Medieval Warm Period is evident in the record, and  based on that and other evidence I suggest that it most clearly and consistently manifest itself in southern Alaska during the eleventh century AD.
Loso, 127.


Halten wir fest:
Die neue Studie von Clegg et al. (2010) kann als eine von vielen Studien angesehen werden, die Evidenz für die Behauptung liefert, dass es auch in Alaska eine MWP gab.

Frühere Studien von Hu (2001), Loso et al. (2006) und  Mc Kay et al. (2008) sowie bei Clegg et al. nicht angeführte, jedoch von Ljungqvist  (2010) verwendete, weitere Studien von D'Arrigo et al. (2006) und Loso (2009) zeichnen ein ähnliches Bild, wenngleich des Öfteren von einer Klimaanomalie gesprochen wird.

__________

[1] Barley, E.M., Walker, I.R., Kurek, J., Cwynar, L.C., Mathewes, R.W., Gajewski, K., Finney, B.P., 2006. A northwest North American training set: distribution of freshwater midges in relation to air temperature and lake depth. Journal of Paleolimnology 36, 295-314.
[2] Davi, N.K., Jacoby, G.C., Wiles, G.C., 2003. Boreal temperature variability inferred from maximum latewood density and tree-ring width data, Wrangell Mountain region, Alaska. Quaternary Research 60, 252-262.
[3] Aufgeführte Studien werden im Lauf des Posts erörtert.
[4] Wiles, G.C., D'Arrigo, R., Jacoby, G., 1998. Gulf of Alaska atmosphere-ocean variability over recent centuries inferred from coastal tree-ring records. Climatic Change 38, 289-306.
Gedalof, Z., Smith, D.J., 2001. Interdecadal climate variability and regime scale shifts in Pacific North America. Geophysical Research Letters 28, 1515-1518.
Wilson, R., Wiles, G., D'Arrigo, R., Zweck, C., 2007. Cycles and shifts: 1,300 years of multi-decadal temperature variability in the Gulf of Alaska. Climate Dynamics 28, 425-440.
[5] Stine, S. (1994) Nature (London) 369, 546-549.
Broecker, W. S. (2001) Science 291, 1497-1499.
[6] Briffa, K. R., Bartholin, T. S., Eckstein, D., Jones, P. D., Karlen, W., Schweingruber, F. H. & Zetterberg, P. (1990) Nature (London) 346, 434-439.
Briffa, K. R., Jones, P. D., Bartholin, T. S., Eckstein, D., Schweingruber, F. H., Karlen, W., Zetterberg, P. & Eronen, M. (1992) Climate Dyn. 7, 111-119.
[7] Wiles, G. C., Jacoby, G.C., Davi, N.K., McAllister, R.P., 2002. Late Holocene glacier fluctuations in the Wrangell Mountains, Alaska. Geological Society of America Bulletin 114, 896-908.
[8] Esper, J., R. J. S. Wilson, D. C. Frank, A. Moberg, H. Wanner and J. Luterbacher (2005b), Climate: Past ranges and future changes, Quat. Sci. Rev., 24, 2164-2166.
[9] Wiles, G. C., D. J. Barclay, P. E. Calkin, and T. V. Lowell (2008), Century to millennial-scale temperature variations for the last two thousand years indicated from glacial geologic records of southern Alaska, Global and Planetary Change, Volume 60, Issues 1-2, January 2008, Pages 115-125.


19. Dezember 2010

Neue Evidenz für das Auftreten einer nordhemisphärischen MWP

In meinem Interview vom 5. August dJ - Menschen im Gespräch: Teil III - wies Frederic Carpentier Ljungqvist, mein damaliger Interviewpartner, darauf hin, dass er im Herbst eine neue Arbeit veröffentlichen werde. 

Er schrieb damals:
This autumn I will come out with a new paper, with an improved quantitative multi-proxy temperature reconstruction for the extra-tropical Northern Hemisphere covering the last 2,000 years.

Spät aber doch bin ich durch ein lesenswertes Posting auf diesem Blog: klimablog.de daran erinnert worden, dass ich mir eigentlich diese Arbeit genauer ansehen wollte.

September 2010 ist nun besagte Arbeit "A NEW RECONSTRUCTION OF TEMPERATURE VARIABILITY IN THE EXTRA -TROPICAL NORTHERN HEMISPHERE DURING THE LAST TWO MILLENNIA" in Geografiska Annaler (Siehe hier: http://onlinelibrary.wiley.com) erschienen.

Ljungqvist bietet in dieser Studie
a new temperature reconstruction for the extra-tropical Northern Hemisphere (90-30°N) with decadal resolution for the last two millennia.
Ljungqvist: A new reconstruction ..., 340.


Zur Verwendung gelangten dabei 30 "temperature sensitive proxy records", von denen alle bis A.D. 1000, 16 bis A.D. 1 zurückreichen - Ljungqvist erwähnt nebenbei den Unterschied zu vorangehenden Studien, welche (Jones et al. 1998; Mann et al. 1999; Crowley and Lowery 2000)[1]  in seinen Augen allesamt nur über ein "very limited and unevenly distributed set of proxy data" (344) verfügten.

Seine Proxy-Datensätze sind im Gegensatz dazu gut durchmischt zusammengesetzt aus
2 historical documentary records, 3 marine sediment records, 5 lake sediment records, 3 speleothem Delta 18O records, 2 ice-core Delta 18O records, 4 varved thickness sediment records, 5 tree-ring width records, 5 tree-ring maximum latewood density records, and 1 Delta 13C tree-ring record.
Ljungqvist: A new reconstruction ..., 340.


Nun zu den Resultaten. Für mich nicht überraschend zeigen die Datensätze klar und deutlich eine "distinct Medieval Warm Period" (347) an. In Ljungqvists Résumé klingt das so:
It is a rather conventional temperature history of the last two millennia, similar to that already outlined in Lamb (1977)[2], that appears in our reconstruction, with a Roman Warm Period c. AD 1-300, a Dark Age Cold Period c. AD 300-800, a Medieval Warm Period c. AD 800-1300 and a Little Ice Age c. AD 1300-1900, followed by the twentieth-century warming.
Ljungqvist: A new reconstruction ..., 343.

Our new two-millennia long extra-tropical Northern Hemisphere (90-30° N) temperature reconstruction supports a distinct Medieval Warm Period and an evan more distinct Little Ice Age, followwed by a rapid twentieth-century warming.
Ljungqvist: A new reconstruction ..., 347.


Ein wenig ironisch scheint es doch zu sein, dass nach all dem Auf und Ab der letzten Jahre, Dr. Lamb mit seinen Aussagen wohl letztlich doch nicht so ganz falsch gelegen ist. 

Es sei mir am Schluss gegönnt einen kurzen Seitenhieb, nicht direkt die MWP betreffend, auszuteilen. Ljungqvist, wohl als einer von Wenigen, weist darauf hin, dass die Proxy-Rekonstruktion nur in Verbindung mit den instrumentell gewonnenen CRUTEM3+HadSST2 90-30° N Temperaturdaten (Brohan et al. 2006; Rayner et al. 2006)[3] das Bild der "gegenwärtigen" Erwärmung (1990+) zeichnet, das wir zur Genüge kennen. "The proxy reconstruction itself", schreibt er,
does not show such an unprecendented warming but we must consider that only a few records used in the reconstruction [na immerhin 11 bis 1999, W.v.B.] extend into the 1990s.
Ljungqvist: A new reconstruction ..., 343.

__________

[1] Jones, P.D., Briffa, K.R., Barnett, T.P. and Tett, S.F.B., 1998: High-resolution palaeoclimatic records for the last millennium: interpretation, integration and comparison with General Circulation Model control-run temperatures. The Holocene, 8: 455-471.
Mann, M.E., Bradley, R.S. and Hughes, M.K., 1999: Northern hemisphere temperatures during the past millennium: inferences, uncertainties, and limitations. Geophysical Research Letters, 26: 759-762.
Crowley, T.J. and Lowery, T., 2000: How warm was the Medieval Warm Period? A comment on 'man-made versus natural climate change'. Ambio, 29: 51-54.
[2] Lamb, H.H., 1977: Climate: present, past and future 2. Climatic history and the future. London, Methuen: 835 p.
[3] Brohan, P., Kennedy, J., Haris, I., Tett, S.F.B. and Jones, P.D., 2006: Uncertainty estimates in regional and global observed temperature changes: a new dataset from 1850. Journal of Geophysical Research, 111: D12106.
Rayner, N.A., Brohan, P., Parker, D.E., Folland, C.K., Kennedy, J.J., Vanicek, M., Ansell, T. and Tett, S.F.B., 2006: Improved analyses of changes and uncertainties in marine temperature measured in situ since the mid-nineteenth century: the HadSSt2 dataset. Journal of Climate, 19: 446-469.


15. Dezember 2010

Informationsportal Klimawandel

Im Klimazwiebel-Blog wurde letztens darauf hingewiesen, dass die ZAMG nun, wie schon von Dr. Böhm in meinem Interview für den Herbst angekündigt (Siehe: Menschen im Gespräch: Teil II), ein Informationsportal Klimawandel online gestellt hat.

Werfen wir einen Blick auf die Aussagen zur MWP.
Unter der Rubrik Paläoklima: 2000 Jahre wird auf das Klima der letzten zwei Millennia eingegangen. 

Wir lesen Folgendes:
Innerhalb des deutlich geringen Schwankungsbereichs des Holozäns lösten in der nachchristlichen Zeit kühlere und mildere Abschnitte einander ab: Mäßig kühlen Verhältnissen in der Völkerwanderungszeit folgte das mittelalterliche Klimaoptimum, die Kleine Eiszeit ging in den modernen Temperaturanstieg über.
Mit großer Wahrscheinlichkeit waren die Klimaschwankungen zumindest nordhemisphärisch. Eine aktuelle Multi-Proxy-Rekonstruktion schlägt für Spätantike und Frühmittelalter leicht unterkühlte Bedingungen im Vergleich zum 20. Jahrhundert vor, von einer Klimaverschlechterung als Mitauslöser der Völkerwanderung ist jedoch nichts zu bemerken (Abb. 1 oben). Das günstige Klima des Hochmittelalters ermöglichte nicht nur ausgedehnten Weinbau in Europa, auch Ausbildung der Staaten, Aufschwung der Städte und Bevölkerungswachstum fallen in diese Zeit.

Von einer MWP ist hier allerdings nicht die Rede. Dr. Böhm und Dr. Reitner sprechen hier von "Klimaschwankungen" und einem "mittelalterlichem Klimaoptimum" bzw. "günstigem Klima des Hochmittelalters".

In Hinblick auf die Zeitspanne von 2000 Jahren kann man m.E. nicht guten Gewissens von Klimaschwankungen, in Bezug auf die Mittelalterliche Warmperiode, die Kleine Eiszeit und die eintretende Erwärmungsphase mit Auslaufen der Kleinen Eiszeit, sprechen. Der Begriff der Schwankung mag neutral klingen, relativiert aber zugleich. "Schwanken" tut das Klima immer. Das ändert dennoch nichts daran, dass  innerhalb der letzten 2 Millennia klar quantifizierbare "Schwankungen" auftraten, die über die unterschiedlichen Temperaturniveaus einer Periodizität zugeführt werden können. Nur so werden in meinen Augen Vergleiche möglich.

Von einem mittelalterlichen Klimaoptimum zu sprechen ist in meinen Augen ebenfalls verfehlt. Ein Optimum insinuiert keine Erwärmungsphase, keine Phase von durchschnittlichen wärmeren Temperaturen, sondern in der Regel ein Wärmepeak; ein Überwinden des "Second Steps" hin zum Gipfel - um ein Bild zu gebrauchen -, nicht jedoch die durchschnittlich höheren Temperaturen in dieser Periode - höhere Berge im Himalaya.

Sogesehen hätten wir das neuzeitliche Optimum, zum jetzigen Zeitpunkt, bereits 1998 für viele Teile der Welt erreicht. Für Teile Skandinaviens bereits in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Es wäre auch interessant, wenn man darauf verweisen würde, dass für Teile Südamerikas das neuzeitliche Optimum dann ins 18 Jh fallen könnte.

Der Vorteil des Konzeptes einer Mittelalterlichen Warmperiode, meinetwegen, wo nötig auch spezifizierbar in eine Spät- oder Hochmittelalterliche Warmperiode, wurde von mir schon eingehend erörtert (http://mittelalterlichewarmperiode.blogspot.com/2010_10_01_archive.html).

Es läßt auch Vieles darauf schließen, dass der Gebrauch dieses Konstruktes in der Klimatologie immer noch weitverbreitet ist, wie u.a. die von mir angeführten 50 Studien für die Jahre 2009/10 (1 HJ), publiziert in angesehenen Journalen wie The HolocenePalaeogeography,Palaeoclimatology,PalaeoecologyQuaternary ResearchQuaternary International oder Quaternary Science Review, zeigen. 

Darüber hinaus scheint es Konsens zu sein, dass die durchschnittlichen Temperaturen während der Mittelalterlichen Warmperiode um Einiges höher waren, als "during the subsequent Little Ice Age", wie selbst die Kritiker der MWP, Bradley, Hughes und Diaz bemerkten - wenn auch nur für die Nördliche Hemisphäre zugestanden.

Ebenfalls verfehlt scheint mir nachstehende Aussage zu sein:

"Mit großer Wahrscheinlichkeit waren die Klimaschwankungen zumindest nordhemisphärisch."

Die "Klimaschwankung", für uns synonym genommen für die MWP, ist in meiner Definition nordhemisphärisch durch viele, südhemisphärisch durch einige Studien als gesichert anzusehen - wenn wir die Äquatorialzonen außen vor lassen. Somit müsste m.E. dieser Satz folgendermaßen lauten:

"Für die Nördliche Hemisphäre kann, durch zahlreiche Studien als gesichert, für die Südliche Hemisphäre durch einige Studien als wahrscheinlich, angenommen werden, dass es einen Zeitabschnitt im Mittelalter gab, der durchschnittlich wärmere Temperaturen aufwies als der nachfolgende Zeitabschnitt, bekannt unter dem Namen Kleine Eiszeit - freilich in Bezug auf die jeweils untersuchten Regionen. Um diesem Sachverhalt Rechnung zu tragen, spricht man in der Klimatologie von einer mittelalterlichen Warmperiode."