17. Mai 2010

Präliminare

Wie, wohl jetzt noch die allermeisten Menschen, bin auch ich zu Beginn meiner Studien davon ausgegangen, dass die Gemeinschaft der Wissenschafter sich in ihrem akademischen Tun am wissenschaftlichen Ethos einer wertneutralen, wahrhaftigen Wahrheitsfindung, im Sinne eines wissenschaftlichen Realismus' mehr oder weniger orientiert. Dabei war mir schon bewusst, dass es Kritikpunkte am realistischen Verständnis von Wissenschaftlichkeit gibt und gab; nichtsdestotrotz ändert(e) diese Kritik, u.a. damals von Putnam oder Dummett vorgebracht, nichts an meiner Meinung - ansonsten müsste man ja letztlich auch "die" Wahrheit an den Haken der Relativisten hängen. Das wäre ja absurd.

Ein jeder Wissenschafter, so dachte ich, in - wie mir heute erscheint - kindlicher Naivität, hat zwar ein bestimmtes Menschen- und Weltbild, eine etwaige Weltanschauung, eine bestimmte soziale Prägung hinter sich, welche nicht zuletzt sein Handeln unbewusst mitbestimmt, ist aber dennoch in seinem wissenschaftlichen Arbeiten nicht auf eine reine Umsetzung seiner persönlichen! Interessen zu reduzieren bzw. genauer: 

Seine wissenschaftlichen Arbeiten spiegeln nicht bewusst persönliche, private Haltungen wider. Ganz schön naiv, nicht wahr?

Während meiner Studien wurde ich jedoch mit verschiedensten -ismen, mit post "neurotischem", ich meine, "postmodernem" Gedankengut, mit der "Gender-Mainstream Ideologie" und basal nihilistisch-relativistischem Gedankengut konfrontiert und eines Besseren belehrt. 

Grundsätzlich hätte und habe ich kein Problem damit, wenn einer All-Aussage, eine relativierende "Erzählung" entgegengestellt wird, welche dann aber auch nur situative Gültigkeit für den Erzähler beansprucht.

Das Problem, und hier liegt die Krux an der ganzen Sache, die den Menschen bis dato großteils verborgen geblieben ist, besteht darin, dass zwar von einer postmodernen Zeit, fern aller metaphysischen Absolutismen und Wahrheitsansprüche gesprochen, nach Außen hin, eigener Standpunkt aber dennoch "für-alle-geltend" oder zumindest "für-die-Mehrheit-geltend" zu legitimieren gesucht wird.

Der einzige Unterschied ist der, dass dies neuerdings nicht mehr zur Offenbarung von Wahrheit, sondern bewusst zur Umsetzung von Machtinteressen erfolgt.

Folgende Aussage gibt meine Erfahrungen im akademischen Betrieb sehr gut wider. Sie wurde von einer "befreundeten" Universitätsbediensteten getroffen, die im Bereich der Linguistik und Genderforschung tätig ist. Ich führe getätigte Aussage sinngetreu, jedoch in meinen eigenen Worten, an:
Es geht doch nicht mehr um Wahrheit, schon lange nicht mehr! Es geht, wie uns Foucault gezeigt hat, einzig um Macht, um Sprache!, um die Veränderung des öffentlichen Diskurses auf verschiedenen Ebenen. Viele, an den Universitäten Tätige, versuchen maßgeblichen Einfluss darauf zu nehmen, worüber sich die Gesellschaft Gedanken macht und wie sie es tut.
Dabei sind unser Prestige und das Hörigkeitsdenken der Menschen, das an-den-Lippen-von-ProfessorInnen-Hängen, ein großer Vorteil. Es gilt die Menschen so zu beeinflussen, dass die Gesellschaft überhaupt nicht bemerkt, dass sie letztlich gezielt konklusiv konditioniert wurde. Sie selbst hält besagte Konklusionen freilich für selbstgezogene.

Wenn ich ein anderes Zitat anführe, lässt sich eventuell die Kernaussage für Sie, liebe Leser, besser erschließen. Der französische, homosexuelle (meines Erachtens hatte die "Orientierung" einen maßgeblichen Einfluss auf die Arbeiten des - in Anlehnung an Wittgenstein - "frühen" Foucault) Philosoph Michel Foucault (verst.) brachte es auf den Punkt:
Es gilt, institutionelle Einrichtungen, die einen Diskurs auslösen, zu identifizieren … Diskurs bedeutet - Macht, und Macht zur Kontrolle des Diskurses ist somit die höchste Macht in einer Gesellschaft.

Wenn Sie zu den 99% der Menschen gehören, die nicht an der Umsetzung etwaiger Agenden zur Normalisierung "devianten Verhaltens" o.dg interessiert sind, werden Sie jetzt wohl ein wenig schockiert sein. Glauben Sie mir, ich war es auch! Ich konnte nicht glauben, dass es in dem Bereich, der für mich schon seit frühester Kindheit an für Wahrheit und Forschergeist stand, in einem schon strukturell eingebetteten Sinne, Menschen gab, die Wahrheit, Familie, Werte, die Mann-Frau-Dualität usf., und somit wohl letztlich die ganze Zivilisation, zerstören wollten. Unfassbar!

Wenn man diese Gegebenheiten jedoch mit ins Kalkül zieht, ergeben viele Dinge, welche einem zuvor nicht aufgefallen sind oder welche man gewissentlich, wohl unbewusst ignoriert hat, einen Sinn! Es sei einem jeden Leser selber überlassen, ein besagtes Aha-Erlebnis, ein Eintauchen in die bewusst hervorgebrachte Absurdität im Leben eines jeden Einzelnen, zu erfahren und entsprechend deuten zu können. 

Mein letztes Aha-Erlebnis hatte ich in Bezug auf die Klimawissenschaften, in Bezug auf den sogenannten ClimateGate-Vorfall - der interessierte Leser möge den Begriff googeln.

Als ich davon erfahren hatte, beschloss ich, nicht mehr, wie so oft zuvor, still zu sein. ClimateGate hatte für mich, im wahrsten Sinne des Wortes, den Bogen überspannt. Ich beschloss das wissenschaftliche Ethos, meine Werte, meine Familie und letztlich mich und meine Existenz zu verteidigen.

Ich wollte mich nicht mehr dafür "schämen müssen!", ein heterosexueller Mann zu sein, Fleisch zu essen, eine Auto zu besitzen, einen Glauben zu haben und ethische Grundsätze zu vertreten. Darum habe ich mich dazu entschlossen, einen kleinen Aspekt in der Klimadiskussion selber zu beleuchten und lasse Sie, meine Leser, gern daran teilhaben.

Grundsätzliches:
Wenn ich von "wissenschaftlicher Evidenz" spreche, meine ich, Artikel, Abhandlungen etc., welche durch den Peer-review-Prozess gegangen sind und von studierten Wissenschaftern, aus zuordenbaren Wissenschaftszweigen (Meteorologie, Geografie, Physik etc.) stammen.