7. Oktober 2010

Menschen im Gespräch - eine Nachbetrachtung

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um meinen Gesprächspartnern recht herzlich zu danken. Meine Anfragen wurden durchwegs schnell und zuvorkommend beantwortet - von einer unterstellten Abgehobenheit der Klimawissenschaften in generi kann also keine Rede sein.


Mittelalterliche Warmperiode
Meine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema, die geführten Gespräche und der rege, nicht-öffentliche Austausch mit vielen hilfsbereiten Klimawissenschaftern haben mich in meiner Einschätzung darüber gestärkt, dass für die Nördliche Hemisphäre - durch hunderte Studien gestützt - folgendes behauptet werden kann:
  • Es spricht Vieles dafür, dass es einen Zeitabschnitt gab, in welchem sich die Durchschnittstemperaturen (wärmer) teilweise deutlich von jenen des nachfolgenden Zeitabschnittes - bekannt unter dem Begriff der "Kleinen Eiszeit" - (kälter) abhoben. Da dieser Zeitabschnitt historisch gesehen in  das "Mittelalters" fiel, ist es angebracht, den Lamb'schen Terminus einer "Mittelalterlichen Warmperiode oder -zeit" in einem rein deskriptiven Sinne beizubehalten. Allerdings halte ich es manchmal durchaus für geboten, diesen Zeitabschnitt in einem normativen Sinne zu spezifizieren, in dem man z.B. - wo nötig - dezitiert von einer "Hochmittelalterlichen Warmperiode" spricht.

Den Begriff der Anomalie halte ich für nicht grundlegender als den Terminus der Periode oder Zeit an sich, da wir vom kleinsten gemeinsamen Nenner - den gemittelten Temperaturen - ausgehen. Somit wird hier auch nicht insinuiert, dass zu allen Zeiten, an allen Orten in der Nördlichen Hemisphäre, gleich hohe oder tiefe Temperaturen vorherrschten, was letztlich den Einwand der teilweisen Asynchronität der Wärmecluster obsolet macht.

Für die Südliche Hemisphäre, den Rest der Welt, kann festgehalten werden, dass hier sehr wohl, an verschiedenen Lokalitäten, auf allen Kontinenten, Dutzende Studien für eine wärmere Klimaphase im Mittelalter sprechen. Freilich und das muss festgehalten werden; qualitativ hochwertige Studien, jedoch quantitativ (noch) weniger Studien als für die Nördliche Hemisphäre (vor allem für Afrika, Australien und die Regionen um den Äquator).

Des Weiteren scheint Vieles dafür zu sprechen, dass die sog. "Kleine Eiszeit" (ein sich teilweise über Jahrhunderte hinziehender Temperaturabfall bzw. im Mittel eine deutliche Abkühlung) global quantifizierbar zu sein scheint. Damit können wir für die Südliche Hemisphäre schlussfolgern:
  • Es scheint auch für die Südliche Hemisphäre durchaus Sinn zu machen, und dafür pädiere ich, eingeschränkt, an - wo nötig - das jeweilige Auftreten einer "Kleinen Eiszeit" gekoppelt, von einer Warmzeit oder -periode zu sprechen. So könnte ich mir vorstellen, von einer Spätmittelalterlichen Warmzeit/-periode für Teile Südamerikas zu sprechen.

Wenn ich die hunderten von Studien, welche ich in den letzten Monaten durchkämmt habe, vor meinem geistigen Auge ins Kalkül ziehe, so bin ich geneigt zu behaupten, dass der "Trend" klar auf eine global quantifizierbare wärmere Periode/Zeit, mit verschieden starker räumlicher und zeitlicher Ausprägung hingeht. Dies scheint auch vor dem Hintergrund der Einflussfaktoren für eine damalige Erwärmung, die letztlich auf einige wenige begrenzt, mit einem deutlich heraustretenden Primärfaktor - der Sonne - sind, einleuchtend zu sein. Hier schließe ich mich Büntgen an, der schrieb:
Gehen Sie von den möglichen Steuergrößen aus. Was bleibt übrig? Alles läuft auf dieser Skala auf die Sonne hinaus. Wenn dem so ist, müsste man sicher von einer globalen Anomalie ausgehen dürfen; natürlich durch interne Oszillationen modifiziert.

Das Konstrukt einer "MWP" scheint nach wie vor aktuell und von den meisten Klimawissenschafter in Gebrauch zu sein. Somit plädiere ich stark dafür, diesen Terminus technikus in einem deskriptiven Sinne beizubehalten und verstärkt Forschung für die bis dato nur schwächer quantifizierbaren Regionen zu betreiben.